Hamburger Kammerkunstverein

Veranstaltungen mit Herz und Hirn.

Klavierrezital


Perzina Saal, Stadtbibliothek Schwerin, Wismarsche Strasse 144, 19053 Schwerin


Modest Mussorgski,
Bilder einer Ausstellung

Promenade
Gnomus
Promenade
Das alte Schloss
Promenade
Tuillerien
Bydlo
Promenade
Ballett der Küchlein in ihren Eierschalen
Samuel Goldberg und Schmuyle
Promenade
Der Marktplatz von Limoges
Catakombae: Sepulcrum romanum - Con mortuis in lingua mortua
Die Hütte der Baba Yaga
Das große Tor von Kiew

Franz Schubert,
Klaviersonate B-Dur D 960

Molto moderato
Andante sostenuto
Scherzo - Allegro vivace con delicatezza
Allegro, ma non troppo


Als im Jahre 1873 sein bester Freund Victor Hartmann verstarb, ein Architekt und Maler, widmete Mussorgski ihm eine Komposition, die er „Bilder einer Ausstellung“ nannte. Die Anregung dafür gab ihm eine Ausstellung mit Bildern des verstorbenen Freundes. Die Eindrücke, die er beim Betrachten der Bilder hatte, setzte er um in eine Reihe von Musikstücken mit sehr unterschiedlichem Charakter. Es entstanden für zehn Bilder zehn Sätze, die den Bildinhalt lautmalerisch umsetzen. Diese Teile werden verbunden durch den musikalischen Gang von Bild zu Bild, der „Promenade“. Ravel bearbeitete den Zyklus für Orchester, was wesentlich zu seiner weiten Verbreitung beitrug.

Franck-Thomas Link


Franz Schuberts Klaviersonate B-Dur D 960 ist seine letzte Sonate. Sie entstand in Schuberts Todesjahr 1828. Er war sich über seinen bevorstehenden Abschied im Klaren, und sein Arbeiten war wahrscheinlich von Gedanken und Gefühlen zu Leben und Tod begleitet.

Vor dem Hintergrund, dass Schubert Abschied nimmt, stehen seine drei letzten Sonaten in jeweils unterschiedlichem Licht, den Phasen langsamen Sterbens möglicherweise entsprechend. Sie entstanden im selben Jahr.

Die ersten beiden dieser Sonaten stehen durch emotionalen Widerstand (c-moll-Sonate) und intellektuellen Kampf ums Überleben (A-Dur-Sonate) der meist so zart und freundlich anmutenden B-Dur-Sonate scheinbar entgegen.

Zu vermuten ist, dass Schubert den Widerstand überwunden hatte und dem Tod in der B-Dur-Sonate freundlich begegnen konnte: So, als hätte sich in ihm eine innere Bereitschaft gegenüber dem Tod eingestellt, die ihn zu den freundlichsten Melodien greifen ließ, die er in dieser Zeit erfinden konnte.

Es ist kein Zufall, dass das zunächst heiter wirkende Rondo-Thema des letzten Satzes nicht in der Grundtonart B-Dur steht, sondern in der musikalischen Sprache von Beethovens Schicksalssinfonie c-moll. Dahinter steckt eine Heiterkeit in erstem Gewande, die im Verlauf des Satzes immer wieder dramatische Ausbrüche erfährt.

Vergleicht man alle Hauptthemen der B-Dur-Sonate miteinander, so stellt man fest, dass alle aus demselben Tonmaterial, einer „abfallenden Sekunde“, gemacht sind. Jedes der Themen beginnt mit einer abfallenden Sekunde. Diese Tonfolge wird musikwissenschaftlich oft als „Seufzer-Motiv“ bezeichnet.

Die Themen der Sonate allerdings seufzen nicht, das macht Schubert sehr subtil und fast unmerklich. Es ist, als ob Schubert uns nachhaltig mit seinen Melodien tröstet.

Er lässt uns mit seiner Misere, dass er jetzt stirbt, nicht einfach stehen: Er beendet sein Sonatenwerk und sein Leben mit heiteren Melodien aus dem Material des Seufzers.

Franck-Thomas Link