Hamburger Kammerkunstverein

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Das Ende der Zeit

Olivier Messiaen, Quatuor pour la fin du temps

„Der Sinn eines Gefangenen ist die Flucht“, sagte der Klarinettist Henri Akoka im Kriegsgefangenenlager Stalag VIII A bei Görlitz. Sein Mitgefangener Olivier Messiaen antwortete: „In dieses Lager hat mich Gott gestellt. Hier ist mein Platz.“ Messiaen schrieb dort sein Quartett für das Ende der Zeit. Akoka gelang 1941 die Flucht.

Zwei Haltungen. Keine ist naiv. Akoka verweigert dem Lager seinen Körper. Messiaen verweigert ihm seine Wirklichkeit: Inmitten einer Ordnung, die Menschen zu Nummern machte, schrieb er Musik, die mit dieser Ordnung nicht verhandelt. Bei der Uraufführung am 15. Januar 1941 vor Hunderten Mitgefangenen galt für eine Stunde im Lager eine andere Ordnung.

Die Verbrechen der Nazis beruhten auf der Idee, dass Menschen ungleichwertig sind. Diese Idee kehrt zurück. Zuerst wird die Erinnerung verkleinert. 2018 nannte der damalige AfD-Vorsitzende Alexander Gauland „Hitler und die Nazis“ „nur einen Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“.

Dann wird Zugehörigkeit neu bestimmt. Ende 2023 erklärte der Rechtsextremist Martin Sellner in Potsdam vor AfD-Funktionären sein Konzept der „Remigration“. Es zielt auch auf „nicht assimilierte Staatsbürger“, also auf Deutsche, deren Pass gilt, deren Herkunft aber nicht passt. Im Januar 2025 schrieb die AfD die Forderung nach „Remigration“ in ihr Wahlprogramm. An die Stelle gleicher Rechte soll eine Zugehörigkeit auf Widerruf treten.

1949 schrieb der Parlamentarische Rat in Artikel 3 des Grundgesetzes: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft [...] benachteiligt oder bevorzugt werden.“ Abstammung, Heimat, Herkunft: Diese Wörter stehen dort, weil man wusste, wohin ihr Gebrauch geführt hatte.

Im Juni 1922, nach dem Mord an Außenminister Walther Rathenau, sagte Reichskanzler Joseph Wirth im Reichstag: „Dieser Feind steht rechts!“ Elf Jahre später gab es die Republik nicht mehr.

Wer bestimmt, wo der Platz eines Menschen ist? Für Messiaen war es Gott, für Akoka er selbst. Für die völkische Rechte ist es die Abstammung. Zwischen den ersten beiden Antworten liegt ein Streit, den dieses Konzert offenhält. Die dritte hat an diesem Ort keinen Platz.

Ein Konzert des Hamburger Kammerkunstvereins in Zusammenarbeit mit der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

Gedenkstätte Neuengamme

Gefördert im Rahmen der Konzertreihe „Musik der Stille“ durch die Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Kultur und Medien, Musikstadtfonds.

BKM Hamburg



Tickets: 18 € im Online-Vorverkauf hier auf der Website, 23 € an der Abendkasse, Mitglieder: 9 €


KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Jean-Dolidier-Weg 75, 21039 Hamburg


KZ-Gedenkstätte Neuengamme



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Reservierung über tickets at antispam-dies-bitte-entfernen kammerkunst punkt de und +49 40 31796940.

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Olivier Messiaen, Quatuor pour la fin du temps












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